Virna Lisi, Vittorio Gassman, Carlo Verdone, Ornella Muti, Sergio Castellitto und Alice Rohrwacher.
Der Bolsenasee ist mehrfach Teil der Geschichte des italienischen Kinos geworden – und auch seine beiden Inseln, Bisentina und Martana, standen vor der Kamera.
Manchmal dienten sie als echte Drehorte, ein anderes Mal liehen sie der filmischen Fiktion einfach ihre unverwechselbare Silhouette.
Und in einem Fall gelang es der kleinen Martana sogar, sich in eine Insel in Finnland zu verwandeln.
Virna Lisi und Violenza sul lago
Die Geschichte beginnt in den 1950er-Jahren.
1954 kam Violenza sul lago unter der Regie von Leonardo Cortese in die Kinos. Gedreht wurde unter anderem in der Umgebung des Bolsenasees.
Zur Besetzung gehörte die damals noch sehr junge Virna Lisi, die am Anfang einer Karriere stand, die sie in den folgenden Jahren auch ins internationale Kino führen sollte.
Schon der Titel weist dem See eine besondere Rolle zu: Er ist nicht nur Kulisse, sondern ein Ort, der eng mit der Handlung verbunden ist.
Es ist eines der ersten Kapitel einer langen Beziehung zwischen diesen Gewässern und der großen Leinwand.
Brancaleone und die Insel Bisentina
1966 kam einer der großen Klassiker der italienischen Komödie in die Kinos: L’armata Brancaleone von Mario Monicelli mit Vittorio Gassman.
Brancaleone und seine ungewöhnliche Truppe sind auf dem Weg zum Lehen Aurocastro, das der Handlung zufolge in Apulien liegen soll.
Doch das Kino kann bekanntlich die Geografie verändern. Wenn Aurocastro aus der Ferne gezeigt wird, ist auf der Leinwand in Wirklichkeit Capodimonte am Bolsenasee zu sehen. Und in der Landschaft lässt sich auch die Insel Bisentina erkennen.
Für einige Augenblicke werden der See und seine Insel so Teil eines rein filmischen Mittelalters.
Carlo Verdone auf der Bisentina
Doch 1990 erhält die Bisentina eines ihrer kuriosesten Kapitel in der Filmgeschichte.
Carlo Verdone wählt die Insel für einige Dreharbeiten zu Stasera a casa di Alice, einem Film, bei dem er Regie führte und in dem er gemeinsam mit Ornella Muti und Sergio Castellitto spielte.
Diesmal ist die Insel nicht nur im Hintergrund zu erkennen: Gedreht wurde direkt auf der Bisentina, wobei auch ihr Park für einige Szenen genutzt wurde.
Was während dieser Drehtage geschah, erzählte viele Jahre später Verdone selbst.
Im Jahr 2017 veröffentlichte der Regisseur auf seinem Facebook-Profil ein Foto, das ihn auf der Bisentina zusammen mit Ornella Muti und Sergio Castellitto zeigt.
Wie er schrieb, war es am letzten Drehtag aufgenommen worden.
Kurz zuvor hatten sie die Beerdigung von Valentina gedreht, Alices Schwester, gespielt von Yvonne Sciò. Diese Szene sollte jedoch nie im fertigen Film zu sehen sein: Sie wurde beim Schnitt entfernt.
So bewahrt das Foto auch die Erinnerung an etwas, das das Publikum nie zu sehen bekam.
Foto vom Facebook-Profil des Schauspielers
«Eravamo un po’ spaventati»
Nel suo post Verdone aggiunge un altro retroscena.
Durante le riprese, racconta, erano «un po’ spaventati» nel trovarsi sull’Isola Bisentina.
Il principe Giovanni Del Drago, allora proprietario dell’isola, aveva raccontato agli attori alcune delle storie e delle leggende più inquietanti legate al luogo, compresa quella secondo cui alcuni Templari sarebbero stati gettati in un grande pozzo.
Una leggenda sufficiente a creare una certa atmosfera sul set. La suggestione durò poco.
Nel suo ricordo Verdone passa infatti rapidamente dalle storie più cupe alla bellezza della vegetazione, agli uccelli e alla natura della Bisentina.
Ed è forse questo il dettaglio più interessante: quasi trent’anni dopo, oltre al film, ci‘ che rimane è il ricordo vivido dell’isola.

Die Bisentina im Kino von Alice Rohrwacher
Im Jahr 2014 kehren der Bolsenasee und die Insel Bisentina mit Le meraviglie von Alice Rohrwacher auf die große Leinwand zurück.
In einer der Szenen werden der See und die Silhouette der Bisentina direkt Teil der filmischen Landschaft und tragen zu jener schwebenden, ländlichen Atmosphäre bei, die den Film prägt. Der Film wurde zu großen Teilen in der Tuscia gedreht und gewann im selben Jahr den Grand Prix beim Filmfestival von Cannes.
Sechzig Jahre nach Violenza sul lago blickte das Kino also noch immer auf dieselben Gewässer – aber mit völlig anderen Augen.
Als die Martana zu Finnland wurde
Und die Martana?
Die kleinere der beiden Inseln hatte zwar weniger Auftritte auf der großen Leinwand, bewahrt aber eine ganz besondere filmische Kuriosität.
Im Jahr 2006 fährt im Thriller H2Odio von Alex Infascelli ein Boot auf eine Insel zu, die sich der Handlung zufolge in Finnland befinden soll. Tatsächlich handelt es sich jedoch um die Martana im Bolsenasee. Das Besondere daran: Im Film wurde die Aufnahme der Insel einfach seitenverkehrt gezeigt.
Für einige Augenblicke versetzt das Kino die kleine Insel damit Tausende Kilometer weiter nach Norden.
Gar nicht schlecht für eine Insel, die sich natürlich nie vom Bolsenasee wegbewegt hat.
Zwei Inseln wie fürs Kino gemacht
Vom Kino der 1950er-Jahre über die italienische Komödie bis hin zum modernen Thriller haben Bisentina und Martana kleine, aber überraschende Auftritte auf der großen Leinwand erlebt. Und das ist nur ein Teil der Geschichte.
Denn auch Bolsena, seine Ufer, Paläste und Straßen wurden mehrfach als Filmkulisse gewählt.
Doch um diese Geschichten zu erzählen, müssen wir die Inseln verlassen und wieder ans Festland zurückkehren.
Und das wird eine andere Geschichte sein!








