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Geschichten

Was ist Permakultur? In Bolsena erzählt ein Festival davon

Von der Sorge für die Erde bis zur gerechten Verteilung von Ressourcen: Prinzipien, Bedeutung und Anwendungsmöglichkeiten der Permakultur.

Diese Woche kehrt das Permakultur-Festival nach Bolsena zurück und bringt ein Projekt an die Ufer des Sees zurück, das genau hier vor mehr als zehn Jahren entstanden ist.

Vom 10. bis 13. September 2026 werden die Altstadt und verschiedene Orte in Bolsena zu Räumen für Begegnung, Austausch und Experimente rund um Nachhaltigkeit, Landschaft, Landwirtschaft, Wohnen und die Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt.

Doch was bedeutet Permakultur eigentlich genau? Und warum bietet gerade Bolsena einen so interessanten Rahmen für ein Festival, das sich diesem Thema widmet?

Permakultur: Bedeutung und Grundprinzipien

Permakultur wird häufig mit naturnahen Gärten oder biologischer Landwirtschaft in Verbindung gebracht. Tatsächlich ist sie jedoch ein wesentlich umfassenderes Konzept.

Der Begriff entstand in Australien in den 1970er-Jahren durch die Arbeit von Bill Mollison und David Holmgren. Ursprünglich bezeichnete er eine Form der permanent agriculture, also eine Landwirtschaft, die langfristig bestehen kann und dabei natürliche Kreisläufe respektiert.

Im Laufe der Zeit wurde das Konzept erweitert und umfasst heute auch die Gestaltung menschlicher Lebensräume und Gemeinschaften.

Permakultur beginnt vor allem mit Beobachtung: Es geht darum zu verstehen, wie Wasser, Boden, Pflanzen, Klima, Gebäude, Energie und menschliche Beziehungen funktionieren, um Systeme zu gestalten, in denen diese Elemente zusammenwirken können, anstatt ständig miteinander in Konflikt zu geraten.

Sie betrifft daher nicht nur die Art und Weise, wie wir Land bewirtschaften. Permakultur kann ebenso die Planung eines Hauses, den Umgang mit Wasser, die Lebensmittelproduktion, die Wiederverwendung von Materialien, die Landschaftsgestaltung, die Organisation einer Gemeinschaft und sogar die Art und Weise umfassen, wie wir Ressourcen und Wissen teilen.

Sorge für die Erde, die Menschen und die Ressourcen

Der Permakultur liegen drei grundlegende ethische Prinzipien zugrunde: Sorge für die Erde, Sorge für die Menschen und eine gerechte Verteilung der Ressourcen.

Dabei geht es nicht nur darum, was wir produzieren, sondern auch darum, wie wir es produzieren, wie viele Ressourcen wir dafür einsetzen und welche Auswirkungen unsere Entscheidungen auf die Umwelt und auf andere Menschen haben.

Aus diesen Grundsätzen ergeben sich sehr unterschiedliche Praktiken: Bodenregeneration, naturnaher Umgang mit Wasser, ökologisches Bauen, Agroforstwirtschaft, Abfallvermeidung, Selbstversorgung und partizipative Planung.

Gerade diese Vielseitigkeit macht es schwierig, Permakultur in eine einzige Definition zu fassen: Sie ist weniger eine einzelne Technik als vielmehr eine Methode der Gestaltung und eine Art, die Beziehungen zwischen den verschiedenen Elementen eines Systems zu betrachten.

Das Permakultur-Festival und seine Verbindung zu Bolsena

Das Permakultur-Festival von Bolsena wurde 2014 ins Leben gerufen. Initiiert wurde es vom Architekten, Landschaftsplaner und Permakultur-Designer Luca Puri mit dem Ziel, diese Prinzipien aus spezialisierten Fachkreisen herauszutragen und in konkrete, gemeinschaftlich erlebbare Erfahrungen zu übersetzen.

Die zweite Ausgabe folgte 2015, während Bolsena 2016 Austragungsort der 13. European Permaculture Convergence wurde, eines europäischen Treffens, das Erfahrungen und Initiativen aus der Permakultur verschiedener Länder zusammenbrachte.

Die Ausgabe 2026 ist daher eine Rückkehr zu den Ursprüngen, zugleich aber auch eine Gelegenheit, diese Themen vor dem Hintergrund von Fragen neu zu betrachten, die für Regionen und Gemeinschaften heute immer wichtiger werden: Wassernutzung, Bodenfruchtbarkeit, Klimawandel, Ressourcenverbrauch, nachhaltiges Bauen sowie die Fähigkeit von Gebieten, sich anzupassen und zu regenerieren.

Bolsena wird zu einem dezentralen Labor

Eine der Besonderheiten des Festivals besteht darin, dass es nicht auf einen einzigen Veranstaltungsort beschränkt bleibt.

Begegnungen, Workshops, Konferenzen, Ausstellungen und weitere Aktivitäten verteilen sich auf verschiedene Orte im Stadtgebiet und machen Bolsena zu einer Art dezentralem Labor, in dem die Stadt selbst Teil der Erzählung wird.

Das Programm 2026 vereint Workshops, Konferenzen, Begegnungen, Kunstausstellungen, Bücher, Aufführungen, Musik, Aktivitäten für Kinder und Führungen.

Die Themen reichen vom ökologischen Bauen über Bodenkenntnis und Bodenregeneration bis hin zu resilienter Landwirtschaft, Wasser, Agroforstwirtschaft, Architektur, Ernährung und sozialer Gestaltung.

Und vielleicht liegt gerade darin einer der interessantesten Aspekte: Nachhaltigkeit wird nicht nur in Vorträgen thematisiert, sondern beobachtet, erprobt und mit dem täglichen Leben in Verbindung gebracht.

Permakultur, Kunst und Gemeinschaft

Das Festival in Bolsena umfasst zudem eine Dimension, die über rein ökologische Themen hinausgeht.

Kunst, Kreativität und gesellschaftliche Teilhabe werden zu Instrumenten, um über die Landschaft und das Verhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft nachzudenken.

Das Projekt bringt lokale Akteure, Vereine, Künstler, Fachleute, Bürgerinnen und Bürger sowie die Welt der Permakultur zusammen und verbindet unterschiedliche Kompetenzen und Erfahrungen miteinander.

Im Mittelpunkt steht das Prinzip der Zusammenarbeit: Ein Gebiet ist nicht nur ein physischer Raum, sondern ein System von Beziehungen.

Gerade deshalb fügt sich das Festival so gut in das Gefüge von Bolsena ein, wo See, Altstadt, Gemüsegärten, Landschaft und bewohnte Bereiche innerhalb weniger Kilometer aufeinandertreffen.

Ein Festival, das seine Ideen in die Praxis umsetzt

Einer der interessantesten Aspekte des Festivals ist der Versuch, die Prinzipien der Permakultur aus der Theorie in alltägliche Räume und Gewohnheiten zu übertragen.

Nachhaltigkeit wird damit auch Teil der Organisation der Veranstaltung – durch Aufmerksamkeit für Abfallvermeidung, Wiederverwendung, die Reduzierung von Einwegprodukten und einen bewussteren Umgang mit Ressourcen.

In Bolsena gibt es außerdem ein sehr konkretes Beispiel für die Wiedergewinnung und Umgestaltung bereits bestehender Räume.

Die ehemaligen öffentlichen Toiletten werden derzeit renoviert und sollen künftig als Ausstellungsraum genutzt werden.

Ein Ort, der ursprünglich für eine völlig andere Funktion geschaffen wurde, wird damit wieder nutzbar gemacht und mit einer neuen kulturellen Aufgabe an die Stadt zurückgegeben.

Nicht zwangsläufig etwas Neues bauen, sondern den Wert des Bestehenden erkennen, es anpassen und erneut sinnvoll nutzbar machen.

Ein Prinzip, das gut zu jener Fähigkeit passt, Ressourcen zu beobachten, wiederzuverwenden und miteinander in Beziehung zu setzen, die der Permakultur zugrunde liegt.

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Warum Permakultur in Bolsena entdecken?

Bolsena bietet einen besonderen Rahmen, um sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen.

Der vulkanisch entstandene See, die Wälder, Gemüsegärten, Olivenhaine, Weinberge und Schilfgebiete bilden eine Landschaft, in der Natur und menschliche Präsenz seit Jahrhunderten miteinander verbunden sind.

Während des Festivals kann ein Besuch in Bolsena bedeuten, von einer Konferenz auf einen Platz zu wechseln, von einem Workshop in einen Gemüsegarten, von einer Ausstellung zu einem Spaziergang am Seeufer.

Und vielleicht ist genau das der einfachste Weg, sich der Permakultur zu nähern: sie nicht nur als etwas zu betrachten, das man aus Büchern lernt, sondern damit zu beginnen, die eigene Umgebung mit anderen Augen zu sehen.

Genau dazu lädt das Festival ein:

das Gebiet aufmerksam zu betrachten, seine Zusammenhänge zu verstehen und neue Wege zu finden, verantwortungsvoll mit ihm umzugehen.

Und für einige Tage in dieser Woche wird Bolsena zu einem Ort, an dem all dies gemeinsam erlebt und weitergedacht werden kann.

👉 Weitere Informationen zum Festival und das vollständige Programm:
https://festivalpermacultura.it/

Lesen Sie auch: Programm, Kunst und Nachhaltigkeit

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