Das Labrum von Bolsena: Ein römisches Becken an der Seepromenade
Bei einem Spaziergang entlang der Seepromenade von Bolsena kann man leicht am Labrum vorbeigehen, ohne es näher zu betrachten. Heute wirkt es wie eine große, runde Steinplatte in einem Blumenbeet. Ursprünglich war es jedoch ein Granitbecken aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. Seine überlieferte Geschichte führt durch verschiedene Orte der Stadt.
Das Labrum vor Santa Cristina
In seiner Storia di Volseno berichtet der aus Bolsena stammende Abt Andrea Adami, dass sich das Becken in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf dem Vorplatz der Basilika Santa Cristina befand.
Eine Abbildung in seinem Werk zeigt ein Detail, das heute fehlt: Das Becken besaß noch seinen Rand, obwohl dieser bereits an mehreren Stellen gebrochen war. Der Vergleich zwischen der historischen Darstellung und dem erhaltenen Objekt macht deutlich, wie sehr sich sein Aussehen verändert hat.
Vom Becken zur Sitzgelegenheit
Später wurde der Rand entfernt und das Becken als Sitzgelegenheit genutzt. Jahrzehntelang stand es in dem kleinen Garten hinter dem ehemaligen Rathaus, nur wenige Meter von der Via Cassia entfernt. Dort befindet sich heute das Denkmal für das Eucharistische Wunder.
Im Frühjahr 2013 wurde das Labrum an seinen heutigen Standort an der Seepromenade versetzt, um seine Erhaltung zu gewährleisten und es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Ein großes Fragment des Beckenrandes war im Jahr zuvor zufällig auf dem Dach der Basilika Santa Cristina entdeckt worden. Es wird heute im Museo territoriale del lago di Bolsena, dem Museum zur Geschichte und Natur des Bolsenasees, aufbewahrt.
Woher stammt das Labrum von Bolsena?
Die Umstände seiner ursprünglichen Entdeckung sind nicht bekannt. Es wird vermutet, dass das Becken aus dem Gebiet der römischen Stadt Volsinii stammt.
Adami überlieferte eine alte Tradition, nach der es aus einem Apollotempel entfernt worden sein soll. Dort habe es dazu gedient, das Blut der Opfertiere aufzufangen. Diese Überlieferung ist kein gesicherter Nachweis seiner Herkunft. In römischer Zeit wurden Becken dieser Art sowohl in Thermenanlagen als auch in religiösen Zusammenhängen verwendet.
Heute lässt sich das Labrum bei einem Spaziergang am See entdecken. Seine Form erinnert vielleicht an einen steinernen Tisch. Wer genauer hinsieht, findet jedoch ein antikes Objekt, dessen wechselnde Standorte und Nutzungen zur Geschichte von Bolsena gehören







