Bolsena – ein beliebtes Ziel für Päpste, Dichter und Reisende
Im Laufe der Jahrhunderte haben Bolsena und sein See Päpste, Künstler, Schriftsteller und Reisende aus ganz Europa empfangen.
Die Ufer des Bolsena-Sees hinterließen bei allen, die hier vorbeikamen, einen tiefen Eindruck und wurden in Briefen, Tagebüchern, literarischen Werken und Reiseberichten verewigt.
Die Geschichte von Bolsena besteht nicht nur aus Monumenten und Landschaften: Sie ist auch eine Geschichte von Begegnungen, Emotionen und Erinnerungen berühmter Persönlichkeiten, die hier verweilten, beteten, beobachteten oder Inspiration fanden.
Die Päpste und die spirituelle Verbindung zu Bolsena
Zu den bedeutendsten Besuchern Bolsenas gehörten zahlreiche Päpste. Berühmt ist Papst Martin IV., der auch von Dante Alighieri im Purgatorio erwähnt wurde – wegen seiner Vorliebe für die Aale aus dem See, zubereitet mit Vernaccia-Wein.
Ein weiterer bedeutender Besucher war Papst Pius II., der in seinen Commentarii von einem eindrucksvollen Bootsrennen zwischen den Dörfern am See berichtete, das ihm zu Ehren veranstaltet wurde.
Viele Päpste verehrten zudem die Reliquien des berühmten Eucharistischen Wunders von Bolsena, darunter Julius II., Clemens VII. und Paul III.
1815 machte auch Papst Pius VII. in Bolsena Halt, als er aus dem napoleonischen Exil zurückkehrte. Die Ankunft des Papstes zog zahlreiche Menschen aus der gesamten Umgebung an.
Später besuchten auch Gregor XVI., Pius IX. und Pius XII. die Stadt.
Im 20. Jahrhundert kam schließlich Paul VI. nach Bolsena und eröffnete 1976 den Internationalen Eucharistischen Kongress in der Basilika der Heiligen Christina.
Petrarca, Montaigne und die Grand Tour
Im Jahr 1350 reiste Francesco Petrarca auf dem Weg nach Rom zum Jubiläum durch Bolsena und berichtete in einem Brief an Giovanni Boccaccio von einer kuriosen Episode: Während seines Aufenthalts wurde er von einem Maultier getreten. Trotzdem erinnerte er sich auch an die hervorragenden Aale aus dem See.
Ende des 16. Jahrhunderts zeigte sich Michel de Montaigne beeindruckt von der Vegetation rund um den See und beschrieb die Landschaft als wild und besonders eindrucksvoll.
Mit dem Aufkommen der Grand Tour wurde Bolsena zu einer festen Station europäischer Bildungsreisen. Im 18. Jahrhundert besuchte auch Montesquieu die Stadt, hinterließ jedoch weniger begeisterte Eindrücke.
Ganz anders äußerte sich hingegen der Marquis de Sade, der in seinem Voyage en Italie von 1775 voller Bewunderung das Licht des Sees und das Panorama des Beckens mit seinen beiden Inseln beschrieb.
Goethe und der Charme der mittelalterlichen Stadt
Zu den berühmtesten Reisenden, die mit Bolsena verbunden sind, gehört zweifellos Johann Wolfgang Goethe.
Während seiner berühmten Italienischen Reise im Jahr 1788 durchquerte Goethe die Tuscia entlang der Via Cassia und war fasziniert vom plötzlichen Blick auf den Bolsena-See bei der Ankunft aus Montefiascone. In der Stadt angekommen, verweilte er kurz und fertigte Skizzen des mittelalterlichen Orts an.
Besonders beeindruckte ihn die Rocca Monaldeschi della Cervara, die noch heute das historische Zentrum von Bolsena überragt.
Turner, Giusti und George Dennis
Im 19. Jahrhundert zog Bolsena weiterhin Künstler und Gelehrte aus ganz Europa an.
Der englische Maler J.M.W. Turner schuf Ansichten der Landschaften zwischen Orvieto und Bolsena und hielt die Schönheit des Gebiets fest.
Auch der italienische Dichter Giuseppe Giusti beschrieb den See während einer Reise im Jahr 1844 voller Begeisterung und lobte das Panorama, die mittelalterliche Burg und die alten in den Tuffstein gehauenen Höhlen.
Zur gleichen Zeit schilderte der britische Archäologe George Dennis, Autor von The Cities and Cemeteries of Etruria, den Bolsena-See in beinahe poetischen Worten als natürliches Amphitheater voller Licht, Farben und Vegetation.
Berlioz, Dickens und Freud
Im folgenden Jahrhundert wurde Bolsena von bedeutenden Persönlichkeiten der europäischen Kultur besucht.
Der französische Komponist Hector Berlioz bezeichnete das Seebecken als „ein herrliches Eden“.
Ganz anders war hingegen der Eindruck des Schriftstellers Charles Dickens, der den See während einer abendlichen Reise bei schlechtem Wetter und verlassenen Straßen in melancholischen Tönen beschrieb.
Besonders interessant war der Aufenthalt von Sigmund Freud im Jahr 1897. Der Begründer der Psychoanalyse verbrachte einige Tage zwischen Orvieto und Bolsena während einer Reise durch Italien.
Für Freud war der See ein Ort voller persönlicher und symbolischer Bedeutungen. Hier wurden Erinnerungen an seine frühen Studien über Aale wach, ebenso wie emotionale Assoziationen mit dem Namen „Marta“, dem Dorf am Seeufer.
Bolsena und das Kino: der See, der die große Leinwand inspiriert
Im Laufe der Jahre haben Bolsena und sein See dank ihrer eindrucksvollen Landschaften, mittelalterlichen Kulissen und zeitlosen Atmosphäre zahlreiche Regisseure und Filmproduktionen fasziniert.
Zu den ersten Filmen, die vollständig am See gedreht wurden, gehört Violenza sul lago, der Film, der das Kinodebüt der Schauspielerin Virna Lisi markierte.
Auch das moderne italienische Kino nutzte die Gegend rund um den Bolsena-See als natürliche Kulisse. Carlo Verdone drehte einige Szenen von Stasera a casa di Alice auf der Insel Bisentina und betonte damit deren geheimnisvolle und stille Atmosphäre.
1985 wählte Regisseur Mauro Bolognini Bolsena als Schauplatz für einige Szenen des Films La venexiana.
Noch heute zieht der Bolsena-See Filmproduktionen und künstlerische Projekte an und bestätigt damit seinen Ruf als eine der faszinierendsten und authentischsten Landschaften Mittelitaliens.
Mehr über die Geschichte von Bolsena erfahren
Wer mehr über die Geschichte von Bolsena, seine berühmten Persönlichkeiten und den Bolsena-See erfahren möchte, findet im Buch Bolsena, guida alla scoperta von Antonio Quattranni eine wertvolle Quelle.
Bolsena – ein Ort, der weiterhin inspiriert
Von Dante bis Freud, von Goethe bis zum italienischen Kino – Bolsena hinterlässt seit Jahrhunderten einen bleibenden Eindruck bei seinen Besuchern.
Seine besondere Stärke liegt in der einzigartigen Verbindung von Spiritualität, Geschichte, Landschaft und Atmosphäre. Wer heute an die Ufer des Sees kommt, kann noch immer denselben authentischen Zauber erleben, der Päpste, Dichter, Künstler und Regisseure über Generationen hinweg inspiriert hat.





